Answer Key · Generalprobe

Der Schreibteil komplett

Lösungen zu S. 88–93 · Text auf S. 90–91

Die Listen folgen dem Aufbau der amtlichen Lösungsvorgaben: je Aspekt der Aufgabe, was eine gute Lösung enthält. Die Formulierung ist frei. Bei Aufgabe 3 gibt es keine einzig richtige Position.

Aufgabe 1 · Das muss drin sein

Einleitungssatz
  • Kurzgeschichte „Borrowed Light“ von Funmi Ashade; eine Familie in Lagos am Abend eines Stromausfalls; Ich-Erzählerin Tolu.
Die Ereignisse nach dem Stromausfall
  • Der Strom fällt aus; der Vater bekommt den kleinen Generator der Familie nicht in Gang, das Starterseil reißt ab (Z. 1–18).
  • Der Nachbar Mr Okafor hat mit seinem großen Generator längst Strom und bietet Hilfe an (Z. 19–26).
  • Die Mutter möchte, dass der Vater das Kabel des Nachbarn nimmt, aber weder sie noch Tolu sagen es ihm (Z. 31–35).
  • Der kleine Bruder holt sich das Kabel, und die Familie hat wieder Strom (Z. 43–53).
  • Später schickt der Vater Tolu mit einer Schüssel Gebäck zu Mr Okafor, der ihn einen sturen Ingenieur nennt (Z. 62–72).
Die Reaktion des Vaters auf das Angebot
  • Er lehnt höflich ab und versucht weiter allein, den Generator zu reparieren (Z. 30, 36–37, 54).
  • Das Kabel in der Wohnung nimmt er hin, ohne ein Wort darüber zu sagen; er spricht nur von der Zündkerze, die er kaufen will (Z. 55–60).
  • Er bedankt sich indirekt, indem er Essen hinüberschicken lässt (Z. 63–65).

Typische Fehlgriffe

  • Deuten statt wiedergeben: „The father is too proud to accept help.“ Das ist Aufgabe 2. In Aufgabe 1 steht, was er tut.
  • Den zweiten Aspekt vergessen oder nur mit einem Satz über die Ablehnung abhaken. Dass er das Kabel am Ende duldet und Essen schickt, gehört dazu.
  • Die Schlange (Z. 56) oder die Fußballwette (Z. 24–25) nacherzählen.

Aufgabe 1 · Eine mögliche Lösung (166 Wörter)

The short story „Borrowed Light“ by Funmi Ashade is about a family in Lagos during a power cut and the father’s reaction when a neighbour offers to help. When the electricity goes off one evening, the narrator’s father tries to start the family’s small generator, but it does not work, and in the end the cord comes off. His neighbour, Mr Okafor, whose large generator is already running, watches him and offers help. The father politely refuses and continues to repair the machine on his own. The narrator’s mother wants him to accept the neighbour’s cable, but nobody tells him so. Then the narrator’s younger brother simply asks Mr Okafor for power and brings the cable up to the flat. When the father returns, he steps over the cable without commenting on it and only says that he will buy a new spark plug. Later, however, he asks the narrator to take Mr Okafor a bowl of snacks, and the neighbour calls him a stubborn engineer.

Aufgabe 2 · Das muss drin sein

Deutungshypothese
  • Tolus Haltung zum Vater wandelt sich von Scham und Ärger über seinen Stolz zu einer widerwilligen, liebevollen Anerkennung; gezeigt vor allem über das, was die Ich-Erzählerin von außen sieht, und über Gegensätze und Vergleiche.
Erzählperspektive
  • Ich-Erzählerin, die nur zeigen kann, was sie sieht und fühlt; sie beobachtet den Vater vom Balkon, also aus Distanz und von oben (Z. 13–14, 36–39).
  • Was der Vater denkt, erfährt man nie; nur Gesten zeigen es: das Kabel „as if it were a snake“, das lange Händewaschen, die geschlossenen Augen (Z. 55–58, 62–63). Die Leerstelle macht Tolus eigene Unsicherheit spürbar.
  • Ihre Gefühle nennt sie einmal ausdrücklich und widersprüchlich: „something between anger and shame“, und sie weiß nicht, für wen (Z. 39–42).
  • Das Präsens in „My father is a civil engineer“ und „who is nine“ (Z. 27, 43) verrät eine Erzählerin, die später erzählt; die Schlusswendung „surprised how proud I sounded“ (Z. 73) zeigt die Veränderung, die sie selbst erst bemerkt.
Use of language
  • Gegensatz der Maschinen: „the small red one“ gegen „a big grey machine, three times the size of ours“ (Z. 8, 20); später „very small in the dark … with the big grey one roaring beside him“ (Z. 38–39). Der Vater erscheint so, wie Tolu ihn in diesem Moment sieht: klein neben dem Nachbarn.
  • Leise Ironie über seinen Stolz: „he tells us this more often than he tells us anything else“ (Z. 28–29); der Generator, behandelt „like a member of the family“ (Z. 9–10).
  • Vergleiche aus Tolus Sicht: Mr Okafor schaut zu wie bei einer Wette auf ein Fußballspiel (Z. 24–25), der Vater sieht das Kabel an wie eine Schlange (Z. 56).
  • Zählen und kurze Sätze erzeugen Spannung: „eleven times“, „a twelfth time, harder“ (Z. 13, 17); „Nobody moved.“ (Z. 57).
  • Dialog: der Vater förmlich und knapp („I am fine, thank you“, Z. 30), Tolus kurzes „Yes“ am Ende (Z. 73).
Aufbau und Schluss
  • Absätze binden an die Hypothese zurück; der Schluss zeigt, wie Perspektive und Sprache zusammen die Veränderung der Haltung tragen.

Typische Fehlgriffe

  • Den Vater charakterisieren statt Tolus Haltung zu ihm zu analysieren. Gefragt ist, wie die Erzählerin ihn sieht.
  • Die Perspektive nur benennen („first-person narrator“), ohne zu zeigen, was sie zeigt und was sie zurückhält.
  • Den Generator zum Symbol für Nigeria erklären. Dafür gibt der Text keinen Beleg; belegt ist der Gegensatz zwischen Vater und Nachbar.
  • Den Schluss übergehen. Das Wort „proud“ im letzten Satz zeigt die Entwicklung.

Aufgabe 2 · Eine mögliche Lösung (Weg A, dem Text entlang)

In „Borrowed Light“, the narrator’s attitude towards her father develops from embarrassment and anger at his pride into an affectionate, almost reluctant respect. This change is conveyed mainly through a first-person narrator who can only observe her father from the outside, and through contrasts and comparisons that show him as she sees him in each moment.

At the beginning, Tolu describes her father’s habits with gentle irony. The small red generator is „treated like a member of the family“ (l. 9), and she remarks that he mentions his bridges „more often than he tells us anything else“ (ll. 28–29). The present tense in „My father is a civil engineer“ (l. 27) reveals that she is telling the story later, and her tone suggests that his pride is familiar to her and slightly tiring.

As his attempts fail, her view becomes more critical. She counts every pull of the cord from the balcony, „eleven times“ (l. 13), which shows how closely and tensely she is watching. The contrast between „the small red one“ (l. 8) and Mr Okafor’s „big grey machine, three times the size of ours“ (l. 20) returns when her father appears „very small in the dark … with the big grey one roaring beside him“ (ll. 38–39). Seen from above, he looks weak next to the neighbour. At this point, Tolu names her feelings directly: „something between anger and shame“ (ll. 40–41). Since she does not know „whether it was for him or for me“ (ll. 41–42), the reader understands that she is ashamed of his stubbornness and of herself for feeling this way.

Because the story is told from her perspective, we never learn what the father thinks. His feelings appear only in gestures she observes: he looks at the cable „as if it were a snake“ (l. 56) and washes his hands „for a long time“ (l. 58). The simile shows how threatening the accepted help seems to him, while the silence of the family, „Nobody moved“ (l. 57), shows that Tolu understands this without being told.

The ending changes her attitude. When her father sends the bowl of chin chin, Tolu realizes that he is thanking the neighbour in his own way. Her short „Yes“ to Mr Okafor’s „stubborn engineer“ (ll. 72–73) agrees with the criticism, but she is „surprised how proud I sounded“ (l. 73). The narrator’s own surprise shows that her respect has grown without her noticing.

Overall, the restricted first-person perspective and the contrasts between the two men make the reader share Tolu’s changing view: her father’s pride first embarrasses her, but in the end she sees it as part of the dignity she admires.

Rund 440 Wörter. Aufbau: Hypothese · Ironie am Anfang (Perspektive, Präsens) · Kritik wächst (Zählen, Gegensatz, benannte Gefühle) · Leerstelle des Vaters (Gesten, Vergleich) · Wende am Schluss · Zusammenwirken. Der Absatz mit den benannten Gefühlen ist der Kern; wer wenig Zeit hat, kürzt die Ironie am Anfang, nicht ihn.

Aufgabe 3.1 · Das muss drin sein

  • Einleitung: das Thema, die Aussage eingeordnet, die implizite Frage (Is it strong or weak to accept help?) und eine erkennbare Position, gern mit Bedingung.
  • Drei Argumente, das stärkste zuerst, jedes mit Beispiel und Brückenschritt, etwa: Hilfe annehmen setzt voraus, die eigenen Grenzen zu sehen; Gemeinschaften beruhen auf Geben und Nehmen; wer Hilfe ablehnt, belastet oft andere. Für die Gegenposition: Selbstständigkeit, Würde, Abhängigkeit.
  • Wissen aus dem Unterricht, zum Beispiel zu Gemeinschaft und Individualismus (Themenfeld Individuum und Gesellschaft), genau benannt; die Geschichte darf kurz als Beispiel dienen.
  • Ein Einwand nach den Argumenten, anerkannt und entkräftet; Schluss mit Maß oder Bedingung.

Aufgabe 3.2 · Das muss drin sein

  • Form Blog: Überschrift, keine Anrede mit Dear, ein Satz an die Leser, am Ende eine Frage oder Einladung.
  • Rolle: Tolu als Erwachsene, in der Ich-Form, mit Rückblick auf den Abend. Sie weiß inzwischen mehr als damals, bleibt aber bei dem, was der Text zulässt: Die Gedanken des Vaters kann sie nur vermuten.
  • Beide Aspekte: was der Abend über den Vater zeigte (Stolz, stille Dankbarkeit) und über das Leben in einer Gemeinschaft (der geteilte Strom, „the socket is for everybody“, Z. 48–49).
  • Enger Textbezug: Einzelheiten aus der Geschichte (Kabel, Zündkerze, Schüssel Gebäck), ohne sie nachzuerzählen.

Typische Fehlgriffe

  • Bei 3.2 die Geschichte noch einmal erzählen, statt über sie nachzudenken.
  • Tolu wissen lassen, was der Vater dachte: „He told me later that he was ashamed.“ Davon steht nichts im Text.
  • Bei 3.1 mit dem Einwand beginnen oder mit „there are advantages and disadvantages“ enden.

Aufgabe 3.2 · Eine mögliche Lösung (261 Wörter)

The Night the Orange Cable Came Up the Stairs

Everyone who grew up in Lagos knows the moment the light goes. What I remember about one evening when I was sixteen, though, is not the darkness but my father standing in it.

Our little generator had died, and my father, an engineer who liked to remind us of every bridge he had built, spent half an hour trying to repair it while our neighbour’s huge machine roared next to him. Mr Okafor offered help. My father said no. I remember watching from the balcony and feeling ashamed, and I was not sure whether I was ashamed of him or of myself.

Then my little brother simply asked for the cable, and soon we had light. My father stepped over that cable as if it might bite him, talked about a spark plug and never mentioned it again. But he sent me downstairs with a big bowl of my mother’s chin chin.

It took me years to understand that bowl. My father could not say „thank you for the help“, but he could say it with food, in the language our compound understood. Nobody there was completely independent. We lived on shared cables, borrowed fuel and bowls going back and forth across the yard.

I still think my father was too proud that night. I also think his pride was one of the reasons people respected him. Maybe accepting help does not always mean saying the words.

How does your family say thank you without saying it? Tell me in the comments.

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