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Characterization Englisch: eine literarische Figur charakterisieren

Was eine Figur ausmacht, steht selten als Wort im Text. Es steckt in ihren Sätzen, ihren Handlungen und in den Reaktionen der anderen. Diese Seite arbeitet den Schritt dazwischen aus: wie du von einer einzelnen Textstelle zu einer Eigenschaft kommst, die der Text auch deckt, und woran du merkst, dass eine Deutung zu weit geht.

Was zu belegen ist

Ein Figurenbild, das jede Aussage belegt

Eine Charakterisierung (characterization) ist die systematische Analyse einer literarischen Figur: ihrer Eigenschaften, ihrer Entwicklung und ihrer Rolle im Text. Ein fertiges Urteil über die Figur liefert der Text dabei nie. Er liefert Material: Sätze, Handlungen, Reaktionen anderer Figuren. Deine Aufgabe besteht darin, aus diesem Material auf den Charakter zu schließen und jede Eigenschaft, die du benennst, an einer Textstelle festzumachen. In Klausuren bleibt dieser Schritt oft aus: Dann steht im Hauptteil eine Reihe von Dingen, die die Figur tut, ohne dass daraus eine Eigenschaft abgeleitet wird, und die Arbeit kommt über das Wiedergeben (Anforderungsbereich I, kurz AFB I) nicht hinaus.

Der Operator sagt dir, wie weit du gehen musst. “Give/write a characterization of” liegt im AFB II und verlangt eine gründliche Analyse von Eigenschaften, Entwicklung und Funktion der Figur. Geschrieben wird im Präsens, und jede Aussage über die Figur stützt sich auf ein Zitat oder einen Verweis mit Zeilenangabe. Eine eigene Wertung gehört erst dazu, wenn die Aufgabe zusätzlich comment oder evaluate verlangt. Für Grund- und Leistungskurs gilt derselbe Aufbau; im Leistungskurs sind die Textvorlagen anspruchsvoller, die Schreibzeit ist 30 Minuten länger und an die Darstellungsleistung wird ein strengerer Maßstab angelegt.

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Genannt oder gezeigt

Direkte und indirekte Charakterisierung

Der Text gibt den Charakter auf zwei Wegen preis. Beide gehören in die Charakterisierung, und beide werden am Text belegt. Die Analyseleistung, die im AFB II erwartet wird, steckt vor allem im zweiten Weg.

Direkt (direct)

Der Erzähler oder eine andere Figur spricht eine Eigenschaft ausdrücklich aus: “She was stubborn.” Prüfe trotzdem, ob der übrige Text diese Zuschreibung stützt. Bei einem unzuverlässigen Erzähler oder einer voreingenommenen Figur kann sie in die Irre führen, und dieser Abstand zwischen Zuschreibung und Text ist selbst ein Befund, den du benennen kannst.

Indirekt (indirect)

Die Eigenschaft steht nirgends als Wort im Text. Sie zeigt sich in dem, was die Figur sagt, tut und denkt, und darin, wie andere auf sie reagieren. Den Schluss von der Stelle auf die Eigenschaft ziehst du selbst und machst ihn im Aufsatz nachvollziehbar.

Die Belegquellen

Sieben Quellen, aus denen du Eigenschaften ableitest

Wenn du eine Szene für die Charakterisierung liest, klopfst du sie auf diese Quellen ab und markierst zu jeder die Stellen, die etwas hergeben. Die Beschreibung des Äußeren und die Erzählerstimme kommen vom Erzähler: Nennt er dabei eine Eigenschaft beim Namen, hast du eine direkte Charakterisierung vor dir, alles Übrige erschließt du selbst.

Sprache (speech)
Wortwahl, Ton, Satzlänge, Dialekt. Wie jemand spricht, deutet auf Bildung, Herkunft und die Haltung gegenüber dem Gesprächspartner.
Handeln (actions)
Was die Figur tut, besonders unter Druck oder ohne Zuschauer. Das ist oft aussagekräftiger als das, was sie über sich selbst sagt.
Gedanken (thoughts)
Innere Sicht auf Wünsche, Ängste und Zweifel, die die Figur nach außen nicht zeigt. Nur zugänglich, wenn die Erzählperspektive sie öffnet.
Wirkung auf andere (effect on others)
Wie andere Figuren auf sie reagieren: ob sie ihr ausweichen, widersprechen, folgen oder verstummen.
Erzählerstimme (narrative voice)
Kommentare und Wertungen des Erzählers, dazu die Nähe oder Distanz, mit der er die Figur zeigt.
Äußeres (appearance)
Kleidung, Haltung, Gesichtsausdruck. Oft ein erster Hinweis auf Status und Stimmung.
Name & Umfeld (name & setting)
Manchmal tragen Name, Beruf oder Umgebung eine bewusste Bedeutung.
Der Schluss auf die Eigenschaft

Von der Textstelle zur Eigenschaft

Zwischen einer markierten Stelle und einer benannten Eigenschaft liegt ein Schluss, den du selbst ziehst. Er trägt genau so weit, wie die Stelle reicht. In den vier Beispielen steht links die Textstelle, rechts die Eigenschaft, die sich daraus ableiten lässt, und darunter jeweils die Deutung, für die dieser eine Beleg nicht ausreicht.

Quelle: Sprache
Textstelle

“Sit down. I said sit down.”

Was daraus folgt

Sie wiederholt ihre Anweisung, statt sie zu begründen. Sie rechnet nicht damit, dass ihr jemand widerspricht, und tritt bestimmend auf.

Zu weit ginge: sie deshalb als aggressiv zu bezeichnen. Der Satz belegt Nachdruck, über eine Bereitschaft zur Gewalt sagt er nichts.
Quelle: Handeln
Textstelle

“He put the letter in his pocket and went back to work.”

Was daraus folgt

Er verschiebt die Nachricht und hält an seiner Routine fest. Er weicht dem aus, was ihn erwartet, und wirkt vermeidend.

Zu weit ginge: daraus abzuleiten, er habe etwas zu verbergen. Was im Brief steht und warum er zögert, lässt die Stelle offen.
Quelle: Gedanken
Textstelle

“She told them she was fine. She had not slept properly in three weeks.”

Was daraus folgt

Die Erzählstimme stellt neben ihre Auskunft, was sie den anderen vorenthält. Sie behält ihre Lage für sich und wirkt nach außen gefasst.

Zu weit ginge: sie unaufrichtig zu nennen. Belegt ist, dass sie andere nicht belasten will; über eine Absicht zu täuschen sagt die Stelle nichts.
Quelle: Wirkung auf andere
Textstelle

“The younger nurses stopped talking whenever she came onto the ward.”

Was daraus folgt

Ihre bloße Anwesenheit verändert das Verhalten der Kolleginnen. Sie hat eine Stellung, die Respekt erzwingt, ohne dass sie ein Wort sagen muss.

Zu weit ginge: daraus zu schließen, dass sie unbeliebt ist. Der Text belegt eine Wirkung; was die Kolleginnen über sie denken, steht an dieser Stelle nicht.

Eine einzelne Stelle trägt selten eine ganze Eigenschaft. Belastbar wird das Figurenbild, wenn mehrere Belege aus verschiedenen Quellen in dieselbe Richtung zeigen, etwa eine Aussage der Figur und eine Handlung, die dazu passt. Wenn zwei Belege einander widersprechen, musst du den Widerspruch nicht auflösen. Er gehört oft zum Ergiebigsten, was eine Figur hergibt, weil er zeigt, dass sie mehr als eine Seite hat, und genau das führt der Hauptteil dann aus.

Reihenfolge und Abschnitte

Ein Gesamtbild aus lauter Einzelbelegen

Nach dem Lesen liegen die Belege einzeln vor. Für den Aufsatz ordnest du sie: erst die Einordnung der Figur, dann die Eigenschaften in einer nachvollziehbaren Reihenfolge, am Ende das Gesamtbild. Jeder Absatz im Hauptteil führt eine Eigenschaft aus und belegt sie.

1

Einleitung (introduction)

Ein Satz: Wer ist die Figur, in welchem Werk und in welcher Rolle taucht sie auf? Nenne Name, Textsorte und die grundlegende Einordnung. Alles im Präsens.

2

Hauptteil (analysis)

Von außen nach innen. Zuerst die äußeren und sozialen Merkmale (Alter, Herkunft, Beruf, Auftreten). Dann die inneren Eigenschaften, jeweils aus Sprache, Handeln, Gedanken und der Wirkung auf andere abgeleitet. Falls es der Text hergibt, zeigst du auch eine Entwicklung der Figur.

Jede Eigenschaft wird am Text belegt, nie nur behauptet. Auf diesem Teil liegt der Schwerpunkt der Bewertung im AFB II.

3

Schluss (conclusion)

Eine Gesamteinschätzung: Was für ein Mensch ist die Figur, welche Rolle spielt sie im Text, wofür steht sie? Keine neuen Belege mehr, nur das Bild zusammenführen. Eine eigene Wertung nur, wenn der Operator sie verlangt.

Die Beispielszene

Eine kurze Szene und die Charakterisierung dazu

Die Beispielszene ist eine kurze Passage über eine Lehrerin, Mrs. Halloway. Zuerst der Text, dann die ausformulierte Charakterisierung in den drei Abschnitten von oben.

Beispiel-Szene (Englisch)

“Mrs. Halloway never smiled at the new pupils. She stood at the classroom door each morning, arms folded, watching them file past with the same flat stare. ‘Bags on the hooks. Coats off. We don’t waste daylight in here,’ she would say, before anyone had spoken.

Yet it was Mrs. Halloway who stayed behind on Fridays, long after the others had gone, helping Daniel sound out the words he could not read aloud in front of the class. She never mentioned it to anyone. When he thanked her, she only frowned and said, ‘You did the work, not me. Now go home.’”

1. Einleitung

Mrs. Halloway is a schoolteacher who appears in this short narrative passage. At first she seems cold and forbidding, but her actions reveal a very different person underneath. She is characterised almost entirely indirectly.

2. Hauptteil

On the surface, Mrs. Halloway appears stern and unapproachable. Her appearance and manner set the tone: she “never smiled”, stands with “arms folded” and fixes the children with “the same flat stare”. Her speech confirms this impression. The clipped commands “Bags on the hooks. Coats off.” and the brisk “We don’t waste daylight in here” are short, blunt and give the pupils no room to reply.

Her actions, however, point in another direction, and this is where her real character shows. It is Mrs. Halloway who “stayed behind on Fridays” to help Daniel read, quietly and without reward. That she “never mentioned it to anyone” suggests that her kindness is genuine and not meant to be seen: she is caring and selfless, and she keeps this side of herself out of sight.

The contrast is sharpest in her final words. When Daniel thanks her, she “only frowned” and insists, “You did the work, not me.” Even while doing something generous, she deflects the credit. The gap between how she speaks and how she acts is central to her character: her rough manner gives no hint of what she actually does for her pupils.

3. Schluss

All in all, Mrs. Halloway is a figure defined by the distance between her manner and her actions. She is strict, undemonstrative and sparing with warmth, yet clearly devoted to the pupils she pretends not to care about. Within the passage she functions as a character the reader has to read against her own behaviour: the narrator lines up one unfriendly detail after another and then shows her giving up her Friday afternoons for a boy who cannot read.

Merke

Jeder Charakterisierungssatz folgt demselben Bauplan: Eigenschaft benennen → am Text belegen (Zitat) → erklären, woraus du sie schließt. Schreibe im Präsens und stütze jede Eigenschaft auf eine Textstelle. Am Ende führst du die Einzelbefunde zu einer Gesamteinschätzung zusammen.

Satzmuster

Sprachliche Muster für die Charakterisierung

Die folgenden Wendungen sind Satzanfänge. Die Eigenschaft und den Beleg dahinter setzt du selbst ein, jeweils passend zu der Textstelle, die du gerade auswertest.

Die Figur einführen
  • “… is one of the main characters in …”
  • “At first sight, the character appears to be …”
Eine Eigenschaft belegen
  • “This becomes clear when he / she …”
  • “Her behaviour towards … reveals that she is …”
  • “The way he speaks suggests that …”
  • “In contrast to his words, his actions show that …”
Das Bild zusammenführen
  • “All in all, … can be described as …”
  • “His / her role in the text is to …”
Wortfeld Charakter

Eigenschaften auf Englisch präzise benennen

Für die Charakterisierung brauchst du Wörter, die eine Eigenschaft genau treffen. Ein zu allgemeines Adjektiv (nice, bad) passt auf fast jede Figur, und der Beleg darunter stützt dann nichts mehr. Diese Begriffe brauchst du in fast jeder Charakterisierung.

Charaktereigenschaften (positiv)
caring / compassionate
fürsorglich / mitfühlend
determined
entschlossen
self-confident
selbstbewusst
selfless / generous
selbstlos / großzügig
Charaktereigenschaften (negativ / neutral)
stern / strict
streng
reserved / withdrawn
zurückhaltend / verschlossen
stubborn
stur
ambitious
ehrgeizig
insecure
unsicher
arrogant
arrogant, überheblich
Analyse und Entwicklung
trait / characteristic
(Charakter-)Eigenschaft
to reveal / to convey
offenbaren / vermitteln
to come across as
wirken wie, rüberkommen als
protagonist / minor character
Hauptfigur / Nebenfigur
to develop / to change
sich entwickeln / verändern
relationship / attitude
Beziehung / Haltung
Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Characterization

Was ist der Unterschied zwischen direkter und indirekter Charakterisierung?

Bei der direkten Charakterisierung wird eine Eigenschaft ausgesprochen, vom Erzähler oder von einer anderen Figur. Bei der indirekten Charakterisierung erschließt du sie selbst aus dem, was die Figur sagt, tut, denkt und wie sie auf andere wirkt. Im Abitur zählt vor allem, dass du die indirekten Signale am Text belegst.

Wie belege ich eine Charaktereigenschaft am Text?

Nenne die Eigenschaft, belege sie mit einer Textstelle (kurzes Zitat mit Zeilenangabe) und erkläre, woran genau man sie erkennt. Eine Behauptung ohne Beleg bleibt im AFB I stecken.

Woher weiß ich, ob eine Deutung zu weit geht?

Halte die Eigenschaft neben die Textstelle und frage, ob jemand, der nur diese Stelle liest, zu derselben Aussage käme. Wenn du dafür etwas ergänzen musst, das im Text nicht steht (ein Motiv, ein Gefühl der anderen Figuren, eine Vorgeschichte), reicht der Beleg nicht, und du brauchst eine zweite Stelle oder eine vorsichtigere Formulierung.

In welcher Zeitform schreibe ich eine Characterization?

Im Simple Present, wie bei jeder Analyse literarischer Texte. Du beschreibst die Figur so, wie sie im Text erscheint.

Frage 1 von 4

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