Wissen · Characterization

Characterization Englisch: eine literarische Figur charakterisieren

Eine Figur zu charakterisieren heißt nicht, sie zu beschreiben, sondern zu belegen, wer sie ist. Ich zeige dir den Unterschied zwischen direkter und indirekter Charakterisierung, die Signale, aus denen du auf den Charakter schließt, und wie du alles am Text belegst. Danach charakterisieren wir gemeinsam eine Figur aus einer kurzen Beispielszene.

Worum es geht

Nicht beschreiben, sondern belegen

Eine Charakterisierung (characterization) ist die systematische Analyse einer literarischen Figur: ihrer Eigenschaften, ihrer Entwicklung und ihrer Rolle im Text. Die häufigste Falle ist die reine Nacherzählung: Wer nur aufzählt, was die Figur tut, bleibt im AFB I. Die Aufgabe “characterize the figure” verlangt, dass du aus dem, was im Text steht, auf den Charakter schließt und jede Eigenschaft mit einer Textstelle belegst.

Der Operator ordnet die Aufgabe ein. “Give/write a characterization of” liegt im AFB II: eine gründliche Analyse von Eigenschaften, Entwicklung und Funktion der Figur. Du schreibst im Präsens und belegst jede Aussage mit einem Zitat oder Verweis. Erst wenn zusätzlich comment oder evaluate gefragt ist, kommt eine eigene Wertung dazu. Für Grund- und Leistungskurs ist der Aufbau gleich, der LK erwartet nur mehr Tiefe.

Das Kernprinzip

Direkte und indirekte Charakterisierung

Der Text verrät dir den Charakter auf zwei Wegen. Beide gehören in eine gute Charakterisierung, aber der zweite bringt die meisten Punkte, weil er echte Analyse verlangt.

Direkt (direct)

Der Erzähler oder eine Figur sagt eine Eigenschaft ausdrücklich: “She was stubborn.” Du übernimmst sie nicht einfach, sondern prüfst, ob der Text sie bestätigt.

Indirekt (indirect)

Die Eigenschaft wird gezeigt, nicht genannt: durch das, was die Figur sagt, tut, denkt und wie andere auf sie reagieren. Du schließt daraus auf den Charakter. Hier liegt die eigentliche Analyseleistung.

Die Werkzeuge

Woran du den Charakter erkennst

Wenn du eine Szene liest, klopfe sie auf diese sechs Signale ab. Jedes ist eine Fundgrube für belegbare Eigenschaften.

Äußeres (appearance)
Kleidung, Haltung, Gesichtsausdruck. Oft ein erster Hinweis auf Status und Stimmung.
Sprache (speech)
Wortwahl, Ton, Dialekt. Wie jemand spricht, verrät Bildung, Herkunft und Haltung.
Gedanken (thoughts)
Innere Sicht auf Wünsche, Ängste und Zweifel, die die Figur nach außen nicht zeigt.
Handeln (actions)
Taten wiegen schwerer als Worte. Was die Figur tut, zeigt, wer sie wirklich ist.
Wirkung auf andere (effect on others)
Wie Figuren auf sie reagieren, sagt viel über sie aus, oft mehr als ihre eigenen Worte.
Name & Umfeld (name & setting)
Manchmal tragen Name, Beruf oder Umgebung eine bewusste Bedeutung.
Der Aufbau

Drei Teile, immer in dieser Reihenfolge

1

Einleitung (introduction)

Ein Satz: Wer ist die Figur, in welchem Werk und in welcher Rolle taucht sie auf? Nenne Name, Textsorte und die grundlegende Einordnung. Alles im Präsens.

2

Hauptteil (analysis)

Von außen nach innen. Zuerst die äußeren und sozialen Merkmale (Alter, Herkunft, Beruf, Auftreten). Dann die inneren Eigenschaften, jeweils aus Sprache, Handeln, Gedanken und der Wirkung auf andere abgeleitet. Falls es der Text hergibt, zeigst du auch eine Entwicklung der Figur.

Jede Eigenschaft wird am Text belegt, nie nur behauptet. Hier holst du die Punkte in AFB II.

3

Schluss (conclusion)

Eine Gesamteinschätzung: Was für ein Mensch ist die Figur, welche Rolle spielt sie im Text, wofür steht sie? Keine neuen Belege mehr, nur das Bild zusammenführen. Eine eigene Wertung nur, wenn der Operator sie verlangt.

Am Beispiel

So charakterisierst du eine Figur

Die Beispielszene: eine kurze Passage über eine Lehrerin, Mrs. Halloway. Zuerst der Text, dann die Charakterisierung.

Beispiel-Szene (Englisch)

“Mrs. Halloway never smiled at the new pupils. She stood at the classroom door each morning, arms folded, watching them file past with the same flat stare. ‘Bags on the hooks. Coats off. We don’t waste daylight in here,’ she would say, before anyone had spoken.

Yet it was Mrs. Halloway who stayed behind on Fridays, long after the others had gone, helping Daniel sound out the words he could not read aloud in front of the class. She never mentioned it to anyone. When he thanked her, she only frowned and said, ‘You did the work, not me. Now go home.’”

1. Einleitung

Mrs. Halloway is a schoolteacher who appears in this short narrative passage. At first she seems cold and forbidding, but her actions reveal a very different person underneath. She is characterised almost entirely indirectly.

2. Hauptteil

On the surface, Mrs. Halloway appears stern and unapproachable. Her appearance and manner set the tone: she “never smiled”, stands with “arms folded” and fixes the children with “the same flat stare”. Her speech confirms this impression. The clipped commands “Bags on the hooks. Coats off.” and the brisk “We don’t waste daylight in here” are short, blunt and give the pupils no room to reply.

Her actions, however, tell the opposite story and this is where her real character shows. It is Mrs. Halloway who “stayed behind on Fridays” to help Daniel read, quietly and without reward. That she “never mentioned it to anyone” shows that her kindness is genuine rather than a performance: she is caring and selfless, but hides it behind a rough manner.

The contrast is sharpest in her final words. When Daniel thanks her, she “only frowned” and insists, “You did the work, not me.” Even while doing something generous, she deflects the credit. The gap between how she speaks and how she acts is the key to her character: her gruffness is a shell, not the substance.

3. Schluss

All in all, Mrs. Halloway is a figure defined by the distance between her manner and her actions. She is strict, undemonstrative and sparing with warmth, yet fundamentally devoted to the pupils she pretends not to care about. Her role in the passage is to remind the reader that kindness does not always look warm, and that character is shown most clearly in what a person does when no one is watching.

Merke

Jeder Charakterisierungssatz folgt demselben Bauplan: Eigenschaft benennen → am Text belegen (Zitat) → erklären, woraus du sie schließt. Schreibe im Präsens und stütze jede Eigenschaft auf eine Textstelle. Und schließe mit einer Gesamteinschätzung, die die Figur auf den Punkt bringt.

Formulierungshilfen

Useful phrases für jeden Schritt

Einleitung
  • “… is one of the main characters in …”
  • “At first sight, the character appears to be …”
Eigenschaften belegen
  • “This becomes clear when he / she …”
  • “Her behaviour towards … reveals that she is …”
  • “The way he speaks suggests that …”
  • “In contrast to his words, his actions show that …”
Schluss
  • “All in all, … can be described as …”
  • “His / her role in the text is to …”
Wortschatz

Word bank: die wichtigsten Begriffe

Charaktereigenschaften auf Englisch präzise zu benennen ist die halbe Miete. Diese Begriffe brauchst du in fast jeder Charakterisierung.

Charaktereigenschaften (positiv)
caring / compassionate
fürsorglich / mitfühlend
determined
entschlossen
self-confident
selbstbewusst
selfless / generous
selbstlos / großzügig
Charaktereigenschaften (negativ / neutral)
stern / strict
streng
reserved / withdrawn
zurückhaltend / verschlossen
stubborn
stur
ambitious
ehrgeizig
insecure
unsicher
arrogant
arrogant, überheblich
Analyse und Entwicklung
trait / characteristic
(Charakter-)Eigenschaft
to reveal / to convey
offenbaren / vermitteln
to come across as
wirken wie, rüberkommen als
protagonist / minor character
Hauptfigur / Nebenfigur
to develop / to change
sich entwickeln / verändern
relationship / attitude
Beziehung / Haltung
Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Characterization

Was ist der Unterschied zwischen direkter und indirekter Charakterisierung?

Bei der direkten Charakterisierung wird eine Eigenschaft ausgesprochen, vom Erzähler oder von einer anderen Figur. Bei der indirekten Charakterisierung erschließt du sie selbst aus dem, was die Figur sagt, tut, denkt und wie sie auf andere wirkt. Im Abitur zählt vor allem, dass du die indirekten Signale am Text belegst.

Wie belege ich eine Charaktereigenschaft am Text?

Nenne die Eigenschaft, belege sie mit einer Textstelle (kurzes Zitat mit Zeilenangabe) und erkläre, woran genau man sie erkennt. Eine Behauptung ohne Beleg bleibt im AFB I stecken.

In welcher Zeitform schreibe ich eine Characterization?

Im Simple Present, wie bei jeder Analyse literarischer Texte. Du beschreibst die Figur so, wie sie im Text erscheint.

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