Wissen · Sprachmittlung

Sprachmittlung im Englisch-Abitur: Aufbau, Formulierungen und ein Beispiel

Sprachmittlung heißt übertragen, nicht übersetzen. Statt Wort für Wort wählst du die wichtigen Informationen aus und formulierst sie adressatengerecht für ein englisches Publikum, kulturell gebundene Begriffe inklusive. Wie das geht, mache ich dir an einer Beispielaufgabe Schritt für Schritt vor.

Worum es geht

Sprachmittlung ist keine Übersetzung

Die Sprachmittlung (mediation) ist der eigenständige Teil B des Zentralabiturs. Du bekommst einen deutschen Sach- oder Gebrauchstext und überträgst seinen Inhalt sinngemäß in einen englischen Zieltext, meist eine E-Mail, einen Blog-Eintrag oder einen Artikel. Entscheidend ist das Wort sinngemäß: Du übersetzt nicht Wort für Wort, sondern wählst die für die Situation wichtigen Informationen aus und formulierst sie adressatengerecht.

Das Herzstück ist die kulturelle Kontextualisierung: Begriffe, die ein englisches Publikum nicht kennt (etwa Schrebergarten, Abitur oder Ehrenamt), erklärst du kurz, statt sie unkommentiert stehen zu lassen. Die typischen Operatoren sind outline, present, summarize, explain und write (+ Textformat).

Für Grund- und Leistungskurs ist das Vorgehen identisch. Der LK arbeitet mit einem anspruchsvolleren Ausgangstext und hat etwas mehr Zeit, das Prinzip bleibt gleich.

Der Aufbau

Drei Schritte, immer in dieser Reihenfolge

1

Situation klären

Zuerst die Aufgabenstellung genau lesen: Wer schreibt an wen, welches Zielformat ist verlangt (E-Mail, Blog, Artikel) und welchen Zweck hat die Kommunikation? Das entscheidet, welche Informationen du auswählst und in welchem Ton du schreibst.

2

Ausgangstext auswerten

Die Hauptaussagen markieren und nach Relevanz für die Zielgruppe sortieren. Dabei die kulturspezifischen Begriffe erkennen, die für ein englisches Publikum erklärt werden müssen. Nicht alles muss rein: Auswahl schlägt Vollständigkeit.

3

Zieltext schreiben

Den Zieltext mit allen Formatmerkmalen aufbauen (Anrede, Betreff, Schluss). Paraphrasieren statt übersetzen, kulturelle Begriffe kurz erklären und den Ton an den Adressaten anpassen. Zum Schluss auf Kohärenz und Korrektheit prüfen.

Worauf es ankommt

Sechs Dinge, die über die Punkte entscheiden

Bewertet wird in drei Bereichen: Inhalt (Vollständigkeit, Relevanz, kulturelle Einordnung), kommunikative Textgestaltung (Formatmerkmale, Adressatenbezug) und sprachliche Korrektheit. Diese sechs Punkte tauchen fast immer auf.

Auswahl
Nur die für die Situation relevanten Informationen, nicht der ganze Text.
Adressatenbezug
Ton und Register passen zu Empfänger und Zielformat (locker oder förmlich).
Kulturelle Einordnung
Deutsche Begriffe kurz erklären, statt sie unkommentiert zu übernehmen.
Paraphrasieren
Sinngemäß in eigenen Worten, keine wörtliche Übersetzung Satz für Satz.
Formatmerkmale
Anrede, Betreff, Gruß: Das Zielformat muss sofort erkennbar sein.
Keine Meinung
Du gibst wieder, du kommentierst nicht, es sei denn, die Aufgabe verlangt es.
Das Herzstück

Deutsche Begriffe für ein englisches Publikum einordnen

Wer diese Begriffe unerklärt stehen lässt, verschenkt Inhaltspunkte. Eine knappe Erklärung in einem Halbsatz reicht meist völlig.

Schrebergarten
a small rented garden plot, part of a long German tradition of allotment gardening
Abitur
the final secondary-school exams that qualify students for university
Ehrenamt
voluntary, unpaid work for the community
Deutschlandticket
a nationwide monthly pass for local and regional public transport
Vereinsleben
the strong German culture of clubs and associations for sport and hobbies
Brückentag
a working day between a public holiday and the weekend that many take off
Am Beispiel

So sieht das an einem konkreten Text aus

Die Beispielaufgabe: Deine britische Austauschpartnerin hat gefragt, was junge Leute in Deutschland in ihrer Freizeit machen. Fasse für sie den folgenden deutschen Artikel in einer E-Mail sinngemäß zusammen.

Beispiel-Ausgangstext (Deutsch)

Immer mehr junge Familien und sogar Studierende entdecken den Schrebergarten für sich. Was lange als spießiges Hobby von Rentnern galt, wird in vielen deutschen Städten wieder zum Trend. Die kleinen Parzellen sind günstig zu pachten, und wer eine haben will, muss oft jahrelang auf einer Warteliste stehen. Für viele ist der eigene Garten ein Ausgleich zum stressigen Stadtleben: Man baut Gemüse an, trifft Nachbarn und kommt an die frische Luft. Kritiker bemängeln allerdings die strengen Vereinsregeln, die zum Beispiel vorschreiben, wie hoch die Hecke sein darf.

Mögliche Mediation (Englisch, E-Mail)

Hi Emily,

you asked what young people over here do in their free time, and there is actually a funny new trend: the Schrebergarten. That is a small rented garden plot, part of a long German tradition of allotment gardening. It used to be seen as a boring hobby for pensioners, but now young families and even students are getting into it.

The plots are cheap to rent, although you often have to wait years on a list to get one. People love having their own little green space away from the busy city, where they can grow vegetables and meet their neighbours. The one catch is the strict club rules, which even tell you how high your hedge is allowed to be!

Talk soon,
Lena

Merke

Drei Bewegungen machen eine gute Sprachmittlung aus: auswählen (nur was Emily interessiert), kulturell erklären (was ein Schrebergarten ist) und ans Zielformat anpassen (Anrede, lockerer Ton, Gruß). Kein Satz ist wörtlich übersetzt, und es kommt keine eigene Meinung hinzu.

Formulierungshilfen

Useful phrases für die Mediation

Bezug herstellen
  • “You asked me about …, so here is what I found out.”
  • “I read an interesting article about … that I wanted to share.”
  • “I thought you might like to know that …”
Kulturell einordnen
  • “This is a kind of …”
  • “It is roughly the equivalent of …”
  • “In Germany, this means that …”
  • “What we call … is basically …”
Weiter anknüpfen
  • “The article also mentions that …”
  • “Another interesting point is that …”
  • “On the downside, however, …”
Wortschatz

Word bank: erklären und einordnen

Diese Wendungen brauchst du, um deutsche Begriffe und Konzepte flüssig zu erklären.

Erklären & einordnen
a kind of / a type of
eine Art
the equivalent of
das Gegenstück zu
so-called
sogenannt
roughly / more or less
in etwa
Über den Text sprechen
to paraphrase
sinngemäß wiedergeben
target reader
Zielleser, Adressat
to put in context
einordnen
register / tone
Sprachregister, Ton
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